Geschichte der Ministranten


Ministranten gibt es schon ganz lange. Deshalb wollen wir Euch in diesem Beitrag etwas zu ihrer Herkunft und Geschichte berichten.

Hatte Jesus schon Ministranten?

Geschichte der Ministranten

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Naja, Jesus nicht, aber die ersten Ministranten sind durchaus schon im Neuen Testament zu finden. Dort schreibt Paulus im Brief an die Korinther:
Wenn ihr zusammenkommt, trägt jeder etwas bei: einer einen Psalm, ein anderer eine Lehre, der dritte eine Offenbarung; einer redet in Zungen, ein anderer deutet es. Alles geschehe so, dass es aufbaut. (1 Kor 14,26)
Eine schöne Idee! Jeder trägt zum Gottesdienst das bei, was er kann, und dient Gott auf diese Weise. Getroffen haben sich die Gemeinden am Sonntag, und schon im zweiten und dritten Jahrhundert hatten sich verschiedene Dienste für den Gottesdienst entwickelt. Die Aufgaben waren dabei etwas anders verteilt als heute: Ein Bischof leitete die Liturgie des Gottesdienstes. Priester tauften die meist erwachsenen Gläubigen und sprachen gemeinsam mit dem Bischof das Hochgebet. Diakone verteilten geweihte Brote, die miteinander geteilt wurden. Dies hieß Agape und ist nicht mit der Kommunion mit geweihten Hostien zu verwechseln. Heute können wir die Agape als gemeinsames Mahl fast nur noch am Gründonnerstag erleben. Die Diakone salbten auch die Kranken. Die Lektoren lasen die biblischen Texte, was sie auch heute noch tun. Und dann gab es die Altardiener, Akolythen wurden sie genannt. Sie brachten die Gaben zum Altar und halfen bei der Eucharistiefeier. Da hätte man sie eigentlich auch schon Ministranten nennen können.

Wie ging das mit den Ministranten dann weiter?

Im Mittelalter wurden die meisten Dienste, die es in der frühen Kirche gab, abgeschafft. Was schade war. Auch machte die lateinische Sprache den „Laien“ im Gottesdienst das Mitbeten unmöglich. Nun beteten die Messdiener stellvertretend für die Gemeinde die lateinischen Antworten auf die Rufe des Priesters. In vielen Kirchen passierte auch baulich eine Trennung. Der Chorraum, wo die Kleriker saßen, wurde Herrenkirche genannt. Die restliche Gemeinde saß in der sogenannten Leutekirche. Vorn feierten Priester und Messdiener die Messe. Hinten, oft sogar durch eine Chorschranke getrennt, betete die Gemeinde im Gottesdienst. Diese Trennung von Priestern und Laien im Gottesdienst führte dazu, dass die meisten Christen im Gottesdienst nur noch passiv beteiligt waren. Einzig die Altardiener blieben die aktiv Mitfeiernden.
Für die Messdiener als Vertreter der Gemeinde im Altarraum gab es eine besondere Ausbildung. Die Jungen (Mädchen durften damals noch nicht ministrieren) wurden in Chorschulen aufgenommen und auf den Dienst in der Messe vorbereitet. Dort konnten sie Rechnen, Schreiben und Latein lernen und wurden in die Liturgie eingeführt. Für viele dieser Chorknaben war der Weg Priester zu werden damit vorgezeichnet. Die Jungen wurden bereits als Kinder auf die Priesterweihe vorbereitete. Und so kam es, dass Ministranten schon früh in den Klerikerstand aufgenommen wurden. Priestermangel gab es keinen. Mädchen durften damals nicht ministrieren, weil der Dienst in der Messe der erste Schritt zum Priestertum war. Somit stellte sich die Frage nach Mädchen am Altar überhaupt nicht.

Und seit wann gibt es den Ministrantendienst, so wie wir ihn kennen?

Buch: Mit Kirche und WeihrauchfassDas Zweite Vatikanische Konzil, das von 1962 bis 1965 in Rom stattfand, änderte vieles im Gottesdienst, was uns heute normal vorkommt. Die Messe wird seitdem in der jeweiligen Landessprache gefeiert statt in Latein. Der Priester feiert nun zusammen mit der Gemeinde um den Altar herum, statt mit dem Rücken zum Volk zu stehen. Verschiedene Dienste und Rollen für die Gottesdienstfeier wurden wieder neu geschaffen. So wurde auch die Form des Ministrantendienstes neu festgelegt. Ein Konzil ist eine große Versammlung von Bischöfen, Kardinälen, Theologen und dem Papst, die entscheiden kann, was in der Kirche gemacht wird. Konzilien finden ziemlich selten statt. Dieses Konzil wurde von Papst Johannes XXIII. einberufen. Als ihn Kardinäle fragten, ob dies überhaupt nötig sei, öffnete er das Fenster: und sagte: „Natürlich, um Luft hereinzulassen.“ Denn auch die Kirche braucht ab und zu frischen Wind.

Wie haben es die Mädchen geschafft, ministrieren zu dürfen?

Seit ungefähr 1970 gibt es auch Ministrantinnen. Zuerst stritt man sich darüber, ob das für Mädchen überhaupt erlaubt sei, und in vielen Orten gab es lange Diskussionen darüber. Natürlich machten die Mädchen den Altardienst von Anfang an genauso gut wie die Jungen. 1992 stellte auch Papst Johannes Paul II. klar, dass Mädchen ministrieren dürfen. Bei ihm wie dann auch bei Papst Benedikt und bei Papst Franziskus verrichten heute Mädchen und Frauen den Dienst mit am Altar. Nach über 1000 Jahren Trennung zwischen „Geistlichen und Laien“ wird durch den Dienst von Mädchen und Jungen als Ministranten, Lektoren, Kantoren und Kommunionhelfern wieder klar: Jeder feiert wirklich mit beim großen Fest des Herrn.

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Eine ausführliche Darstellung zum geschichtlichen Ursprung und der Entwicklung des Ministrantendienst findest Du in folgendem PDF-Dokument zum Download: Historische Entwicklung des Messdienst (Altardienst)

Quelle: