Kleiner Knigge für Ministranten

Tipps zu richtigem Verhalten in der Kirche

Wie verhalte ich mich als Ministrant eigentlich richtig in der Kirche?

Besonders zu einem Anlass wie bspw. der Ministranten-Wallfahrt sollte ich mich vorher noch einmal über die entsprechenden Verhaltensregeln informieren, die wir hier aufgelistet haben:

Kleidung

Brauchst du für den Besuch der Kirche und des Gottesdienstes eine besondere Kleidung? Nein, eine besondere Kleidung nicht, aber einigermaßen ordentlich sollte sie schon sein. Schließlich ist in der Kirche „das Heilige“, nämlich Jesus in Gestalt des heiligen Brotes, anwesend.

Kleiner Knigge für Ministranten © Ursula Harper
© Ursula Harper
Passend für den Kirchenbesuch sind gute Hosen, saubere Schuhe (auch Turnschuhe und Jeans sind okay), normale Pullis und Jacken. Alte Hosen, die etwas aushalten können und dreckig werden dürfen, zieht man zum Fußball und auf dem Spielplatz an. Damit würdest du vermutlich ja auch nicht in die Schule gehen.

Mädchen sollten zum Gottesdienst keine „bauchfreien“ Tops und T-Shirts anziehen. Eine Kirche ist kein Strand, sondern das Haus Gottes. Auf einem Plakat am Kircheneingang war zu lesen: „Gott kennt deinen Nabel, noch bevor du zur Welt kamst. Es nützt nichts, ihn am Sonntag zu zeigen.“ Was die Kopfbedeckung angeht, gilt für den Besuch der Kirche folgende Regel: Jungen und Männer nehmen (Baseball-)Kappen, Mützen und Hüte vor Betreten des Kirchenraumes ab. Mädchen und Frauen können Mützen, Hüte und Kopftücher auf dem Kopf lassen. Diese Regel für die Mädchen und Frauen ist übrigens in allen großen Weltreligionen gleich.

Handy ausschalten!

Wenn du eine Kirche oder gar einen Gottesdienst besuchst, muss dein Handy ausgeschaltet sein. Jeder Anruf, der dich in dieser Zeit erreicht, ist störend – für dich selbst und für die anderen Kirchenbesucher – und deshalb unhöflich. Wenn du am Sonntag eine Stunde in der Kirche bist, dann musst du nicht unbedingt telefonieren. Und wenn du in dieser Zeit eine SMS bekommst, muss diese nicht unbedingt sofort gelesen und möglicherweise gleich beantwortet werden. Nach dem Gottesdienst gibt es genügend Zeit und Gelegenheit, um zu telefonieren oder eine SMS zu lesen oder zu schreiben.

In jeder Religion und an jedem religiösen Ort ist es unhöflich, von einem Handy gestört zu werden. In einer jüdischen Synagoge oder in einer islamischen Moschee wäre das sogar eine schlimme Entweihung des Gottesdienstes. Mein Rat: Lass dein Handy für die Zeit des Kirchenbesuches zu Hause! Lass dich durch nichts ablenken, auch nicht durch Kopfhörer! Wer in der Kirche still ist, weiß: „Ich bin hier im Haus Jesu. Hier kann ich mit Jesus reden, hier kann ich ihn hören. Alles andere ist in dieser Zeit unwichtig!“ Also: Handys bleiben wie im Theater und im Kino auch in der Kirche tabu!

Weihwasser

Knigge für die Kirche: Weihwasser
© Olaf Wandruschka / Fotolia
Gleich am Eingang zur Kirche befindet sich das Weihwasserbecken. Wenn du zum Gottesdienst kommst, berührst du das geweihte Wasser mit den Spitzen deines Zeige- und Mittelfingers, machst ein Kreuzzeichen und sagst: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Wenn wir das Weihwasser berühren, denken wir dankbar daran, dass wir mit geweihtem Wasser getauft worden sind. Gleichzeitig bitten wir Gott, dass wir jetzt mit reinem Herzen die Kirche betreten dürfen. Manchmal beginnt die Eucharistiefeier mit einem Taufgedächtnis.

Dann geht der Priester durch die Reihen und besprengt alle mit Weihwasser. Wenn er an deiner Bank vorbeikommt, machst du mit allen anderen Leuten, die in deiner Nähe sind, ein Kreuzzeichen. Bevor du nach dem Gottesdienst die Kirche verlässt und nach Hause gehst, gehst du wieder zum Weihwasserbecken und machst mit dem geweihten Wasser ein Kreuzzeichen. Dabei kannst du daran denken, dass es schön ist, dass wir getauft sind und immer wieder Gottesdienst feiern können!

Vor Gottesdienstbeginn begrüßen?

Oft kann man beobachten, dass Leute, die zum Gottesdienst kommen, andere, die schon in den Bänken sitzen, begrüßen – mit einem Handschlag, mit einem freundlichen Lächeln, einem Kopfnicken oder mit dem kurzen Gruß „Guten Morgen“, „Grüß Gott“ oder „Hallo“. Darf das sein? Noch vor etwa dreißig oder vierzig Jahren wäre die Antwort ein klares Nein gewesen. Da hat man sich nach einem kurzen Gebet – kniend in der katholischen, stehend in der evangelischen Kirche – hingesetzt, ohne nach links oder nach rechts zu schauen. Heute ist die kurze Begrüßung vor dem Gottesdienst vielerorts zu einer guten Gewohnheit geworden.

Nachbarn, Bekannte und Freunde nicht nur auf der Straße, sondern auch in der Kirche freundlich zu grüßen, ist nicht nur höflich, sondern auch sympathisch. Also einander vor Beginn des Gottesdienstes grüßen – ja, aber in den Bänken miteinander schwatzen, tuscheln, lachen oder sogar Unsinn machen – nein! In der Kirche kann ich mich nicht so verhalten, als wäre ich auf dem Spielplatz oder im Umkleideraum der Turnhalle. Wir sind zusammengekommen, um miteinander Gottesdienst zu feiern.

Kniebeuge

Die Kniebeuge bedeutet das Gleiche wie das Knien, nur ist sie kürzer. Mit der Kniebeuge ehren wir für einen kurzen Augenblick Jesus, der im heiligen Brot gegenwärtig ist, das im Tabernakel aufbewahrt wird. Das Wort „Tabernakel“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Hütte“ oder „Zelt“. Der Tabernakel befindet sich meistens in der Nähe des Altares. Er ist ein kostbarer kleiner Schrank, meist kunstvoll gestaltet und wertvoll verziert. Darin steht ein Kelch oder eine Schale mit den Hostien, die im Gottesdienst übrig geblieben sind. Niemand außer dem Priester darf den Tabernakel öffnen.

Das sogenannte „Ewige Licht“ macht auf diesen Ort aufmerksam. Die Kniebeuge vor dem Tabernakel gilt also nicht dem Schrank, sondern seinem Inhalt. Wir grüßen und ehren Jesus, indem wir uns klein machen. Wir danken ihm, dass er bei uns ist und sich uns im heiligen Brot schenkt. Beim Betreten der Kirche, bevor wir in der Bank Platz nehmen, machen wir eine Kniebeuge in Richtung Tabernakel. Dasselbe tun wir am Ende des Gottesdienstes als Verabschiedung. Die Kniebeuge wird nicht aus dem Gehen heraus gemacht, sondern aus dem Stand.

Du beugst das rechte Knie auf den Boden, senkst etwas den Kopf, verharrst einen Moment und richtest dich dann langsam wieder auf. Dabei kannst du beten: „Gelobt sei Jesus Christus“, „Lieber Gott, ich bete dich an“ oder auch: „Du bist so groß. Ich bin ganz klein.“ Es ist nicht gut, wenn die Kniebeuge ein Zeichen wird, bei dem man sich nichts denkt. Mach darum jede Kniebeuge ganz bewusst! Achte darauf, dass die Kniebeuge nicht nur eine Art „Hofknicks“ oder eine Hocke ist! In neueren Kirchen befindet sich der Tabernakel nicht im Altarraum. Hier kannst du trotzdem eine Kniebeuge in Richtung Tabernakel machen oder aber den Altar bzw. das Altarkreuz durch eine Verneigung ehren. Auch die Verneigung ist ein Zeichen der Verehrung.

Keine Kaugummis, keine Bonbons

Der Kirchenraum hat als Gotteshaus eine eigene Würde. Zu dieser Würde passt es nicht, wenn du im Gottesdienst Kaugummis kaust oder Bonbons lutschst. In einem Gotteshaus haben Kaugummis und Bonbons ihren Platz in der Tasche und nicht im Mund! Etwas anderes ist es, gegen Halsschmerzen eine Halsschmerzpastille im Mund zergehen zu lassen. Ganz schlimm ist es, wenn Kaugummis oder klebrige Bonbons unter die Bänke geklebt oder auf den Boden geworfen werden.

Das ist nicht nur unhöflich, sondern respektlos! Was draußen für die Straße oder für den Schulhof gilt, gilt erst recht für das Haus Gottes. In einer Kirche wird nicht gegessen, auch wenn es sich „nur“ um kleinere Süßigkeiten handelt. Dazu gibt es außerhalb der Gottesdienstzeiten genügend Gelegenheiten. Auch zurückgelassene Abfälle oder Papiertaschentücher haben in einer Kirche nichts verloren. Leute, die die Kirche putzen, müssen oft viel Kraft und Zeit aufwenden, um Boden und Bänke im Gotteshaus zu säubern und zu reinigen.

Wenn jeder Kirchenbesucher – auch du und ich – ein wenig mehr aufpassen und sich – dem Ort entsprechend – Respekt- und rücksichtsvoll verhalten würde, könnte die Kirche jeden Sonntag schön sauber sein! Übrigens: Benimmregeln dieser Art gab es für Kirchenbesucher schon zu allen Zeiten. So hing früher in einigen bayrischen und österreichischen Kirchen eine Tafel, die männliche Kirchenbesucher bat, „im Angesicht des Allerheiligsten bitte nicht auf den Boden zu spucken“!

Kollekte

Während des Gottesdienstes (nach den Fürbitten) geht ein Körbchen oder ein Sammelbeutel durch die Bänke. Das Geld, das wir da hineintun, wird an Menschen weitergegeben, die es nötig brauchen. Es gibt viele Menschen, die jeden Tag hungern müssen. Wenn das Körbchen bei dir angekommen ist, nimm es in die Hand und leg dein Opfergeld hinein! Früher haben die Christen Obst, Brot und andere Lebensmittel für die Armen mit zum Gottesdienst gebracht.

Diese Gaben wurden Menschen in der Gemeinde gegeben, die arm waren und nichts zu essen hatten. Heute geben wir Geld, weil viele arme und hungernde Menschen weit von uns entfernt wohnen. Im Fernsehen kann man oft Bilder von armen und hungernden Menschen in Afrika und Asien sehen. Jesus freut sich, wenn du diesen Menschen mit deinem Opfer (vielleicht auch manchmal von deinem Taschengeld?) hilfst!

Kerzen aufstellen

Knigge für die Kirche: Kerzen aufstellen
© Olivier DELAYE / Fotolia
Du siehst manchmal, wie Menschen vor oder nach dem Gottesdienst eine kleine Kerze anzünden. Sie tun dies meist vor einem Bild oder einer Statue der Gottesmutter Maria oder eines Heiligen. Oft brennen auf einem Regal oder einem Tisch viele kleine Kerzen. Menschen, die eine Kerze aufstellen, vertrauen der Muttergottes oder einem anderen Heiligen ihre Anliegen an. Sie haben oft Sorgen und bitten die Gottesmutter oder den Heiligen, sie möchten ihr Gebet zu Gott tragen, ihnen helfen und alles zum Guten wenden.

Auch du könntest gelegentlich eine kleine Kerze aufstellen und vor der Figur oder dem Bild beten. Wofür? Vielleicht dafür, dass dein Opa, der ins Krankenhaus musste, wieder gesund wird. Oder dafür, dass dir deine Klassenarbeit in Mathe oder Deutsch gut gelingt. Du kannst deine Kerze aber auch als Dank für etwas Schönes und Tolles anzünden, zum Beispiel dafür, dass dir etwas gut gelungen ist und dass du dich nach einem Streit mit deinem Freund oder deiner Freundin wieder vertragen hast.

Zünde deine Kerze vorsichtig an und passe auf, dass möglichst kein Wachs auf den Boden tropft! In der Regel ist das Kerzen anzünden mit einer kleinen Spende verbunden, die du nicht vergessen solltest! Obwohl dies niemand kontrolliert, versteht sich das von selbst.

Beifall

Nach einer schönen Darbietung des Kinder oder Kirchenchors darfst du ausnahmsweise klatschen. Das Klatschen ist in diesem Fall so etwas wie das „Amen“ (hebräisch: „So ist es“) nach einem Gebet. Normalerweise wird in Kirchen jedoch nicht geklatscht. Selbst bei Konzerten verzichtet man oft auf Beifall. Musik in der Kirche ist etwas anderes als in einem Konzertsaal, denn in der Kirche wird zur Ehre Gottes musiziert (auch wenn sich die Gottesdienstteilnehmer natürlich über schöne Musik freuen). Auch nach einer guten Predigt solltest du besser nicht klatschen. Der lustige Spruch „Paulus schrieb an die Apachen: Ihr sollt nicht nach der Predigt klatschen“ ist also durchaus ein bisschen ernst gemeint.

Fotografieren

Wenn du dich in der Kirche wohlfühlst und ein Foto (zum Beispiel vom Altar, von der Muttergottes oder vom Kreuzweg) machen willst, darfst du fotografieren. Aber erst nach dem Gottesdienst, wenn du niemanden störst.

Schmutzige Schuhe

Schuhe, die dreckig sind, haben in einer Kirche nichts verloren. Wenn du bei Regen- oder Schneewetter zum Gottesdienst kommst, solltest du die Schuhe vor dem Betreten der Kirche gründlich säubern. Auch solltest du nasse Schuhe niemals auf die Kniebänke stellen! Im Übrigen: In einigen Tempeln und in den islamischen Moscheen müssen grundsätzlich die Schuhe ausgezogen werden.

Dringend zur Toilette?

Du kannst, wenn es nötig ist, während des Gottesdienstes aus der Kirche gehen und vielleicht eine Toilette im benachbarten Gemeindehaus aufsuchen. Am einfachsten ist es, wenn du vor dem Gottesdienst, also zu Hause, alles „erledigen“ würdest.

Sitzordnung

Früher gab es die Vorschrift, dass Jungen und Mädchen voneinander getrennt in der Kirche sitzen müssen. Es gab Frauen- und Männerseiten. Diese Regel ist in allen deutschsprachigen Kirchen abgeschafft.

Kultgegenstände

Schon als kleines Kind hast du gelernt, dass man seine Finger immer bei sich behalten und weder in einem Geschäft noch bei einem Besuch in einer fremden Wohnung etwas anfassen soll. Gleiches gilt für ein Gotteshaus: Wertvolle Gegenstände (goldene Leuchter, Kreuze, Osterkerze, Altarkerzen, wundervolle Bilder und Figuren) sollten nicht berührt oder in die Hände genommen werden.

Tiere

Leider haben Tiere keinen Zutritt zur Kirche, außer es handelt sich um Blindenhunde, die blinden Menschen bei der Orientierung helfen. Manchmal gibt es auch spezielle Gottesdienste mit Tiersegnung. In diesen Fällen sind dann Tiere im Gotteshaus ausnahmsweise erlaubt.

Eigentum

Achte auch darauf die Kirchenmöbel wie Tische, Bänke, Stühle und auch Kirchenfenster nicht zu bemalen oder zu beschädigen. Schließlich findest würdest Du umgekehrt ja sicher auch nicht gut finden, wenn Deine Freunde bei Dir zu Hause etwas kaputt machen. Ebenfalls sind die Gesangsbücher und Liedmappen sorgfältig zu behandeln, die in der Kirche ausliegen. Auch gehören Abfälle und Kaugummis in den Abfalleimer und nicht in die Kirchenbank.

Video: 10 Dinge, die Ministranten nicht tun sollen

Der folgende Kurzfilm zeigt auf witzige Weise, was Messdiener in der Sakristei und Gottesdienst besser nicht machen sollten.

Quellen:

  • Abeln, Reinhard: Der Kinder-Kirchenknigge; Leipzig 2010.
  • Reichelt, Bettine: Der Kirchenknigge; Leipzig 2009.