Liturgische Farben im Gottesdienst

Bedeutungen der Farben im Überblick

1. Welche liturgische Farbe ist denn heute?
2. Die Farben im Überlick
Die liturgischen Farben im Gottesdienst © Ursula Harper
© Ursula Harper
3. Warum gibt es unterschiedliche Farben?

1. Welche liturgische Farbe ist denn heute?

Das ist die typischste Sakristei-frage, schließlich wollen Minis ja in die richtigen Gewänder schlüpfen. Farben machen es uns leicht, die Zeit im Kirchenjahr zu erkennen. Wenn beim Gottesdienst Schwarz und Violett dran sind, wird sicherlich nicht Erstkommunion gefeiert. Dabei spielten am Anfang der Kirchengeschichte Farben keine besondere Rolle. Aber als das Christentum im Jahr 391 im Römischen Reich Staatsreligion wurde, kam für Kleriker, die nun Staatsbeamte wurden, eine Kleiderordnung auf.

Hier gab es zwar noch keine Regel, welche Farbe wo ins Kirchenjahr gehört. Doch langsam wurden farbliche Unterschiede wichtig. Mit verschiedenen Purpur-tönen wurde die Position des Klerikers, der im Gewand steckte, gezeigt. Im 9. Jahrhundert, unter Kaiser Karl dem Großen, änderte sich das. Nun wurde begonnen, verschiedene Farben im Kirchenjahr zu verwenden. Das war je nach Region unterschiedlich. Im deutschen Sprachraum wurde Rot als Festfarbe gewählt. Weiß war dagegen in Rom die Farbe für die Feste.

1570 wurden im Konzil von Trient die Farben dem römischen Ritus angepasst. Trotzdem änderte sich das nicht an allen Orten. Das Zweite Vatikanische Konzil, das von 1962 bis 1965 in Rom stattfand, legte nur noch fünf liturgische Farben für die Gewänder fest: Weiß, Rot, Grün, Violett und Schwarz. Ein Konzil ist eine große Versammlung der Bischöfe mit dem Papst. Viele wichtige Regeln der Kirche wurden auf Konzilien beschlossen und so natürlich auch die Festlegung der Farben.

2. Was bedeuten die Farben und wieso ist rosa violett?

Schauen wir uns die Farben an. An ihnen kannst du erkennen, was gerade gefeiert wird. Die Farben des Kirchenjahres finden sich auf den Priester- und Ministrantengewändern, auf Stolen, Deckchen, Decken, Tüchern und vielem mehr.

  • Weiß

Die liturgischen Farben im Gottesdienst © Ursula Harper
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Bedeutung: ist die Festfarbe, Farbe der Freude und der Reinheit.

Weiß bedeutet Freude, Friede, Licht, Vollkommenheit, Unschuld und ist das farbliche Symbol für Christus. Um sein langes weises Gewand würfelten die römischen Soldaten bei der Kreuzigung. Weiß wird an den Hochfesten der Weihnachts- und Osterzeit sowie bei den Festen getragen, die besonders Christus gewidmet sind.

Verwendung in der Liturgie: Weiß wird an Hochfesten wie Ostern oder Weihnachten getragen. Aber auch die anderen „Herrenfeste“ wie beispielsweise Christi Himmelfahrt oder Taufe des Herrn sind durch die Farbe weiß gekennzeichnet.

Ebenso zeichnen sich die beiden Festkreise von Weihnachten und Ostern (also jeweils die Zeit nach den Festtagen) durch die Farbe weiß aus. Außerdem sieht man Weiß an Festen von Heiligen, die nicht für ihren Glauben als Märtyrer gestorben sind.

  • Rot

Bedeutung: ist die Farbe des Feuers, der Liebe, des Blutes und des Hl. Geistes

Verwendung in der Liturgie: Als Feuerfarbe ist Rot dann zu sehen, wenn Feste des Heiligen Geistes gefeiert werden, so an Pfingsten oder bei der Firmung. Das Blut wiederum spielt eine Rolle, wenn Rot an Märtyrerfesten getragen wird, also an Tagen, an denen man das Gedenken von Heiligen (auch den meisten Aposteln!) feiert, die für ihren Glauben gestorben sind. Außerdem ist Rot die Farbe des Karfreitags des Palmsonntags und von Kreuzerhöhung, also der Tage, an denen besonders an das Leiden und den Tod Jesu gedacht wird.

Blut und Feuer haben aber beide auch etwas mit der Liebe zu tun: Der Heilige Geist, der an Pfingsten in Feuerzungen auf die Jünger herabkam, wird oft als das Band der Liebe bezeichnet, das Menschen und Gott vereint. Jesus selbst sagt aber auch: „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). Übrigens ist Rot auch die liturgische Farbe für die Trauerfeierlichkeiten für einen verstorbenen Papst. Rot ist zudem die Farbe der meisten Ministrantentalare für die Festzeiten.

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    Grün

Bedeutung: Farbe des Wachsens, der Hoffnung und des Lebens.

Grün steht für Hoffnung, Leben, Natur und Schöpfung. An allen Tagen im Jahreskreis ist Grün an der Reihe, wenn es nicht besondere Feiertage sind. Denn die Hoffnung soll uns durch den Alltag begleiten.

Verwendung in der Liturgie: Diese Farbe wird an den Sonntagen und Werktagen des Jahreskreises getragen, wenn kein anderes Fest gefeiert wird. Das Reich Gottes beschreibt Jesus immer wieder als etwas Wachsendes, er spricht von Samen, die aufgehen und wachsen, vom Sauerteig, der den ganzen Teig durch säuert: Das Wachsen dieses Reiches Gottes kommt durch die grüne Farbe genauso zum Ausdruck wie das Wachsen des einzelnen Beters im Glauben.

Außerdem ist es eben die Farbe der Hoffnung, des Bleibens und auf Gott Vertrauens auch und gerade im Alltag. Und: Es ist die Farbe der lebendigen Natur, der Schöpfung, und damit der Dankbarkeit für alles, was uns von Gott geschenkt wurde.

  • Violett

Bedeutung: Farbe der Besinnung, der Umkehr und der Buße.

Violett, die Farbe der Umkehr, Buße und Besinnung, wird in der Fastenzeit und im Advent getragen. Ebenso bei Buß- und Beichtgottesdiensten, zu Totenmessen und bei Beerdigungen.

Verwendung in der Liturgie: Violett ist die Farbe, die aus Rot und Dunkelblau gemischt wird: Dunkel steht sie am Ende der Farbskala – sie ist die Farbe des Übergangs, die auch für Verwandlung und Neubeginn steht. Deshalb ist Violett die Bußfarbe: In der Advents- und Fastenzeit wird sie getragen, auch bei der Beichte ist die Stola des Priesters Violett.

Bei Beerdigungen und in Messen für Verstorbene und auch am Gedenktag Allerseelen wird – neben der Trauerfarbe Schwarz – auch Violett verwendet. Ebenso ist sie Farbe der Bischöfe und der Domkapitulare.

  • Rosa

»Mit Kreuz und Weihrauchfass« im Vivat!-ShopBedeutung: Farbe der Vorfreude.

Rosa gilt als helle Form von Violett und ist keine eigene liturgische Farbe. Es wird nur zweimal im Jahr angelegt:
am 3. Sonntag im Advent (Gaudete, lat. „Freuet euch“) und am 4. Fastensonntag (Laetare, lat. „Freue dich“).
Trotzdem gibt es rosa Minigewänder oder Messgewänder in vielen Sakristei-schränken überhaupt nicht. Dort wird stattdessen Violett getragen.

Verwendung in der Liturgie: Gaudete (3. Adventssonntag) und Laetare (4. Fastensonntag): Mitten in den Bußzeiten, die auf Weihnachten und Ostern vorbereiten, scheint schon einmal die Freude des jeweils folgenden Festes durch: Das Violett der Buße wird durch das Weiß der zu erwartenden Festzeit aufgehellt – und deshalb eben zu Rosa.

  • Schwarz

Bedeutung: Farbe der Trauer

Schwarz ist die Farbe der Trauer und des Todes, aber auch von vornehmer Festkleidung. Sie wird zur Beerdigung getragen oder als feierliches Gewand für große Ministranten und Lektoren, dann meist mit weißem Chorhemd/Rochett. Oft wird statt Schwarz auch Violett genommen.

Verwendung in der Liturgie: Die Verwendung der Farbe Schwarz ist bei der Liturgie für Verstorbene möglich (vgl. AEM 308 = Allgemeine Einführung ins Messbuch, also das „Vorwort“ zum Messbuch). In den letzten Jahren wurde diese Farbe von vielen Liturgen wieder entdeckt. Einige Zeit wurden schwarze vor allem durch violette Gewänder ersetzt. Auch an Allerseelen kann Schwarz getragen werden.

  • Blau

Blau kann auch als liturgische Farbe verwendet werden – und zwar bei Gottesdiensten, in denen besonders der Gottesmutter Maria gedacht wird. In der christlichen Kunst wurde Maria sehr oft mit der früher besonders teuren und daher edlen Farbe Blau dargestellt. Die Farbe des Himmels, der Freiheit, der Sehnsucht ist so zu einem Sinnbild für Maria geworden. An manchen Orten wird die Farbe Blau heute noch verwendet, in manchen Gegenden ist sie sogar vorgeschrieben.

  • Sonstige Farben

Manchmal gibt es noch Gold und Silber für besonders festliche Anlässe und Blau für Marienfeste. Die gelten aber nicht als liturgische Farben.

3. Warum gibt es unterschiedliche Farben?

»Heilige Messe. Kleiner Leitfaden Liturgie« bei Vivat!Die Liturgie will alle Bedürfnisse und Sinne des Menschen ansprechen. So gibt es zum Beispiel duftenden Weihrauch, leuchtende Kerzen oder die liturgischen Haltungen. Die Farben, die die Augen, d. h. den Sehsinn des Menschen ansprechen, wollen unterstreichen, was an dem jeweiligen Tag gefeiert wird. Farben haben eine große Wirkung: Sie lassen einen Raum warm oder kalt wirken, drücken Stimmungen aus, unterstreichen, signalisieren, markieren.

Natürlich erhöhen die unterschiedlichen Farben auch die Feierlichkeit des Gottesdienstes. Der Priester, und manchmal auch die Messdiener, die Ministranten, tragen Gewänder jeweils in den liturgischen Farben. Außerdem werden oft die Farben an Ambo, Altar oder ähnlichen Einrichtungsgegenständen der Kirche gezeigt.

Ihren Ursprung haben diese Farben in der Kleidung der römischen Antike, in der über dem weißen Untergewand farbige Kleidungsstücke getragen wurden, an deren Gestaltung man auch teilweise den gesellschaftlichen Rang der Person ablesen konnte. Seit dem 16. Jahrhundert, als die römische Liturgie reformiert wurde, gibt es allgemein gültige Vorschriften, wann welche Farbe getragen werden soll.

Quellen: