Prozessionsordnung

Prozessionsordnung bei Ein- und Auszug

Prozessionsordnung © Dron / Fotolia
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Warum geht der Weihrauch vorn? Der Weihrauch hat durch den römischen Kaiserkult Einzug in unsere Liturgie genommen. Weihrauch hat desinfizierende Wirkung, er reinigt die Luft. Deshalb wurde im alten Rom, wenn der Kaiser oder hohe Beamte durch die Straßen zogen, eine Schale mit Weihrauch vor ihnen hergetragen. So bereitete man ihnen den Weg und ehrte sie. Im Mittelalter hat man diese Ehrung in der Kirche übernommen: Wir ehren Christus, den höchsten Herrn, und bereiten ihm den Weg. Deshalb gehen Thuriferar und Navicular, also Weihrauch- und Schiffchenträger, vor dem Kreuz.

Die Bibel erzählt, dass der Herr vor seinem Volk herzog, um ihnen den Weg zu zeigen – bei Tag in einer Wolkensäule, bei Nacht in einer Feuersäule (Ex 13,21). Uns hat sich Gott noch in einer anderen Weise geoffenbart. Er hat uns Jesus, seinen Sohn, gesandt. Deshalb geht das Kreuz hinter der Wolkensäule des Weihrauchs.

Diese Reihenfolge ändert sich nur dann, wenn Christus in einem noch tieferen Zeichen als dem Prozessionskreuz in unserer Mitte gegenwärtig ist: im Zeichen des Brotes. Wenn das Allerheiligste in einer Prozession mitgetragen wird, z. B. zu Fronleichnam, dann geht der Weihrauch direkt vor dem Allerheiligsten.

Und dann kommt das Kreuz. Aber warum die Kerzen dabei?

»Kleine Fibel Liturgie« bei Vivat!Jedes Vortragekreuz hat einen Korpus, also eine Darstellung von Christus. Diese Darstellung wird immer nach vorn gehalten.

Das Kreuz ist für uns Christen das Zeichen vom Tod und der Auferstehung Jesu für uns. Weil er dadurch zum Licht für die Welt geworden ist, begleiten wir das Kreuz immer mit brennenden Kerzen.

Wenn die liturgischen Dienste beim Einzug oder alle Gläubigen bei Prozessionen hinter dem Kreuz gehen, ist das ein Zeichen für die Kreuzesnachfolge der Christen. Das Kreuz ist aber nicht nur das Zeichen des Leidens Christi, sondern auch Zeichen seines Sieges. Damit diese Botschaft deutlicher wird, tragen wir Kerzen neben dem Kreuz.

Sie verweisen darauf, dass nicht der Karfreitag der Endpunkt im Leben Jesu war, sondern dass es danach weiterging – Jesus ist von den Toten auferweckt worden. Er lebt und wirkt auch heute und macht unser Leben hell!

Prozessionsaufstellung im Überblick

Allgemein ist für den Ein- und Auszug zu feierlichen Messen oder bei Flur- und Dorfprozessionen folgende Aufstellung üblich (einzelne Dienste können auf wegfallen), sofern nicht die weiter unten genannten Ausnahmen greifen:

  1. Thuriferar & Navikular
  2. Kreuzträger & Ceroferare
  3. Bannerträger
  4. Ministranten (Akolythen)
  5. Kommunionhelfer, Lektoren & Kantoren
  6. Konzelebranten & Diakone
  7. Diakon mit Evangeliar
  8. Hauptzelebrant (beim Pontifikalamt: Abt oder Bischof)
  9. Zeremoniar
  10. Stab- & Mitraträger (im Pontifikalamt)

Ausnahmen:

  • Im Gottesdienst der Osternacht führt die Osterkerze die Prozession an.
  • An Fronleichnam oder bei einer anderen eucharistischen Prozession gehen Thuriferar, Navikular und Ceroferare direkt vor dem Allerheiligsten.
  • Bei kirchlichen Begräbnisfeiern wird stets der Sarg an der Spitze der Prozession oder aber vor dem Klerus vorangetragen.

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